Atelier31. August 20263 Min.
Der Aussenseiter
Wie aus einer Zeichnung, einem 2.6-Karat-Granat aus Tansania und fünf Arbeitsschritten der President Ring wird.
Ein Ring beginnt nicht am Werktisch. Er beginnt als Zeichnung, die sich drehen lässt.

Der Gedanke: ein Uhrenarmband am Finger
Die Schultern des President sind fein gerippt. Wer sie zum ersten Mal in der Hand hält, denkt an ein Uhrenarmband - und genau daher kommt die Idee. Ein Armband aus Gliedern lebt davon, dass Licht in den Rillen bricht und sich zwischen ihnen sammelt. Überträgt man das auf einen Ring, entsteht eine Oberfläche, die sich mit jeder Handbewegung verändert.
Dagegen steht die Fassung: glatt poliert, ohne Zierrat, streng. Dieser Gegensatz ist der ganze Entwurf. Die Rippen tragen die Bewegung, die Fassung hält sie an. Das Band misst acht Millimeter, das Profil drei - Masse, die man nicht übersieht.
Der Stein: ein Aussenseiter aus Morogoro
Der Stein kam vor dem Ring. Ein Malaya-Granat von 2.6 Karat aus Morogoro in Tansania, unbehandelt, mit seinen natürlichen Einschlüssen.
Malaya-Granat ist eine Laune der Geologie. Er entsteht als natürliche Mischung aus Pyrop und Spessartin - zwei Granatarten, die eigentlich getrennt vorkommen. Als Händler in Ostafrika die ersten Steine dieser Art fanden, passten sie in keine Schublade. Sie nannten ihn deshalb auf Suaheli "Malaya": der Aussenseiter.
Ein Stein, der in keine Kategorie passte - und deshalb einen Namen bekam, der genau das sagt.
Unbehandelt heisst: was man sieht, ist so gewachsen. Kein Brennen, keine Bestrahlung. Die Einschlüsse sind keine Makel, sondern der Beleg dafür. Sie machen diesen Ring zu einem Einzelstück - der nächste Stein aus derselben Grube sähe anders aus. Er gehört zu unserer Kollektion "from rough to precious".

Vom Harz zum Silber
Zuerst wird gedruckt. Das 3D-Modell wird zu einem Modell aus Harz, Schicht um Schicht, dünner als ein Haar.
Dann kommt der Guss. Das Harzmodell wird eingebettet, ausgebrannt und durch 925 Sterling Silber ersetzt - ein Verfahren, das seit der Bronzezeit im Kern gleich geblieben ist. Was aus der Form kommt, sieht dem fertigen Ring noch kaum ähnlich.
Polieren: wo die Rippen entstehen
Der Guss ist stumpf und grau. Erst das Polieren macht aus der Oberfläche das, was den Ring ausmacht - und genau hier ist die Rippung die eigentliche Arbeit. Jede Kehle muss die gleiche Tiefe haben, jeder Grat dieselbe Schärfe. Eine glatte Fläche verzeiht einen ungleichmässigen Zug. Eine gerippte nicht.
Fassen: der letzte Griff, der nichts verzeiht
Zuletzt der Stein. Das Metall der Fassung wird über die Kante des Granats gedrückt, ringsum, gleichmässig. Zu wenig Druck, und der Stein sitzt lose. Zu viel, und ein unbehandelter Granat mit natürlichen Einschlüssen nimmt es übel.
Es gibt für diesen Schritt keinen zweiten Versuch mit demselben Stein.

Warum das alles
Ein Ring, der aus einem Uhrenarmband gedacht ist und einen Stein trägt, den niemand einordnen konnte. Entworfen für ihn, gefertigt aus 925 Sterling Silber, in einer Grösse und mit einem Stein, den es so nur einmal gibt.




